Das Gesicht des Rechtsextremismus
in Deutschland hat sich verändert. Zum einen hat sich das Erscheinungsbild
dieser Szene modernisiert – eine Entwicklung, die insbesondere seit den 1990er
Jahren zu beobachten ist.
Zwar bedienen sich Rechtsextremisten nach wie vor auch der Symbole und der Ästhetik des Nationalsozialismus, doch dominiert mittlerweile ein modernes Gewand. Häufig wirkt der Rechtsextremismus keineswegs altbacken oder ewiggestrig, vielmehr spricht er die Symbolsprache des 21. Jahrhunderts: Rockmusik ist zum wichtigen Träger ideologischer Botschaften geworden, Volksverhetzung taucht nicht selten in modernem Web-Design auf. Zum anderen hat sich das Aktionsfeld der Szene verlagert. Standen in der Vergangenheit Wahlkämpfe und ideologische Debatten im Vordergrund, versucht die Szene heute unmittelbarer – und wirksamer – Einfluss zu gewinnen.
Sie zielt auf den Alltag ihrer
potenziellen Anhänger, das heißt: die Lebenswelt insbesondere von Jugendlichen.
Die Kombination von Freizeit- und Unterhaltungswert mit politischen Inhalten,
die um einen fremdenfeindlichen Kern und die Verherrlichung, zumindest die
Verharmlosung des Nationalsozialismus kreisen, ist zum Kennzeichen des zeitgenössischen
Rechtsextremismus geworden. Diese Verbindung kann als „Erlebniswelt Rechtsextremismus“
bezeichnet werden.
Stellvertretend für diese
Erlebniswelt stehen beispielsweise „Schulhof-CDs“, mit denen die NPD
Jugendliche umwirbt, und die Aktionsform der „Autonomen Nationalisten“, die
neonazistisches Gedankengut mit Symbolen,
Begriffen und Habitus verbindet, die dem politischen Gegner – linksgerichteten
Autonomen – entliehen sind. Merkmale, Botschaften und Erscheinungsweisen der
Erlebniswelt Rechtsextremismus nimmt der folgende Beitrag in den Blick. Dies geschieht überwiegend am Beispiel der Musik mit
rechtsextremistischen Inhalten und an Beispielen aus dem Internet.
Thomas Pfeiffer
Thomas Pfeiffer