Die Maschen sind bekannt - und trotzdem haben
die Täter immer wieder Erfolg. Vor allem ältere Menschen werden gezielt
als Opfer von Trickbetrügern ausgewählt. Wenn der freundliche junge Mann
an der Tür um ein Glas Wasser bittet oder die angeblichen Mitarbeiter
der Wasserwerke vorbeischauen, sind Senioren oft zu gutgläubig.
Auf den sogenannten Enkeltrick fallen ältere Menschen immer wieder
herein. Der Täter gibt sich am Telefon als Enkel aus, der dringend Geld
benötigt. Er schickt einen Freund vorbei, um das Geld - meist eine
größere Summe - abzuholen. Für den Enkeltrick suchen die Täter im
Telefonbuch gezielt nach altmodischen Vornamen. In Betrügerkreisen
werden aber auch Telefon-CDs weitergereicht, in denen das Alter der
Teilnehmer gespeichert wurde.
Die Polizei warnt dringend davor,
Bargeld an Fremde auszuzahlen. Geben Sie keine persönlichen Daten heraus
oder Informationen über die familiäre oder finanzielle Situation. Wer
unsicher ist, sollte das Telefonat beenden und bei der Familie
nachhaken, ob die Geschichte so stimmt. Wenn Ihnen etwas seltsam
vorkommt, sollten Sie sich in jedem Fall an die Polizei wenden.
Der Trick mit dem Wasserglas
Ein
weiterer beliebter Trick: Jemand gibt vor, beim Nachbarn etwas abgeben
zu wollen und bittet um einen Zettel, um eine wichtige Nachricht zu
hinterlassen. Um den Zettel zu holen, muss das Opfer in die Küche und
der Täter folgt in die Wohnung. Während die Tür weiterhin offen steht,
kann ein Komplize die anderen Zimmer durchsuchen. Ähnlich funktioniert
die Masche mit dem Wasserglas. Dabei agieren die Täter psychologisch
geschickt: Häufig war der freundliche junge Mann kurz zuvor beim Tragen
der Einkaufstasche behilflich. Wenn er wenige Minuten später an der
Haustür um ein Glas Wasser bittet, will man ihn nicht abweisen.Die
Betrüger bauen auf Hilfsbereitschaft und Höflichkeit. Bei älteren
Menschen kommt noch hinzu, dass sie häufig allein sind und sich über den
Besuch an der Tür freuen.
Opfer ausspioniert
Häufig haben die Betrüger ihre Opfer vorher beobachtet. Nicht
selten kommen sie nach einem Bankbesuch oder dem Einkauf an die Haustür.
Da lässt sich leicht ausmachen, dass Handtasche und Portemonnaie noch
in der Küche liegen.
Beute meist für immer verschwunden
Wenn
die Täter erfolgreich waren und Schmuck, Geld oder sonstiges Diebesgut
erbeutet haben, ist die Chance sehr gering, die Sachen wiederzubekommen.
Es handelt sich um organisierte Banden, vielfach aus Osteuropa. Sie
gehen arbeitsteilig vor: Einer ist für die Kommunikation mit den Opfern
zuständig, ein anderer passt auf, der nächste holt das Geld.
Zum einen agieren die Täter überregional, halten sich also nur
kurze Zeit in einer Stadt auf. Zum anderen behalten sie die Beute nicht
lange. Bei Goldschmuck etwa werden Steine herausgebrochen und das Gold
eingeschmolzen. Opfer von Trickbetrügern sollten auf jeden Fall zur
Polizei gehen und unbedingt Anzeige erstatten. Eine Anzeige kann
zumindest helfen, andere vor Schaden zu bewahren. „Auch Wochen nach dem
Ereignis kann das noch hilfreich sein“, weiß Tanja Horn von der Polizei
Essen.
Misstrauen ist angebracht
Lassen
Sie niemanden in die Wohnung, den Sie nicht kennen oder der sich nicht
vorher schriftlich angekündigt hat. Wenn Handwerker ins Haus kommen,
läuft das normalerweise über den Vermieter oder die Hausverwaltung und
wird rechtzeitig bekannt gegeben. Bewahren Sie keine größeren
Geldbeträge zu Hause auf! Installieren Sie eine Türkette, die Sie immer
vorgehängt haben sollten. Vergewissern Sie sich mit einem Blick durch
den Spion, wer vor der Türe steht. Sprechen Sie im Zweifelsfall durch
die geschlossene Tür, etwa wenn Sie keine Kette haben.Wenn jemand
nach einem Glas Wasser oder einem Zettel fragt, können Sie ruhig
weiterhelfen. Sie sollten den Bittsteller jedoch auffordern, draußen zu
warten und in dieser Zeit die Türe schließen. Wer jemanden in seine
Wohnung gelassen hat und nun doch ein ungutes Gefühl bekommt, sollte den
Fremden sofort bitten, die Wohnung zu verlassen.
Dunkelziffer ist hoch
Viele
Opfer merken erst spät oder teilweise gar nicht, dass ihnen etwas
fehlt. „Viele ältere Menschen schämen sich aber auch einfach, dass sie
einem Betrug aufgesessen sind“, sagt Tanja Horn. Sie verschweigen es
ihren Angehörigen, damit diese nicht merken, dass man alleine nicht mehr
so gut zurechtkommt. „Wir erleben sehr häufig, dass sich gerade ältere
Menschen nach einem Betrugsfall in den eigenen vier Wänden nicht mehr
wohl und sicher fühlen“, berichtet Horn von ihrer Arbeit bei der Polizei
Essen. Es sei wichtig, Eltern und Großeltern aufzuklären und über die
bekannten Maschen zu informieren.
Einige Trickbetrüger geben sich als Polizisten aus, rufen an und
kündigen eine Spurensicherungen wegen eines vermeintlichen Einbruchs an.
So kommt der Täter zum Opfer in die Wohnung und lässt sich Geld und
Schmuckverstecke zeigen. Entweder nimmt der Täter dann die Sachen mit -
angeblich um Spuren zu sichern - oder steckt sie unbemerkt ein.