Ein Bericht von Karl-Heinz Beier
Sein Englisch war schlechter als meins. Trotzdem gab er an, mich von
London aus anzurufen und im Dienste der Firma Windows zu stehen. Er behauptete
weiterhin, James Bryan zu heißen und die Mitarbeiterkennnummer „JB07“ zu
besitzen. Als Grund seines Anrufs gab er an, die Firma Windows habe
festgestellt, dass mein Computer mit einem so genannten Trojaner infiziert ist.
Er sei nun beauftragt, mir dabei zu helfen, diesen zu beseitigen, bevor der
Trojaner großen Schaden auf meinem Computer anrichten könne. Dummerweise hatte
mir mein PC in der Tat wenige Tage zuvor tatsächlich ein Problem gemeldet und
einige Anwendungen liefen nicht mehr reibungslos.
Klug, wie so ein
Computer nun mal ist, meldete er mir das, indem er nach dem Einloggen ein
Fenster aufklappte, in dem geschrieben stand, es gebe irgendein
Kommunikations-problem mit einem Windows-Dienst. Aber dumm, wie ich nun einmal
bin, konnte ich mit diesem Hinweis nicht wirklich etwas anfangen. Da das
Nötigste immer noch problemlos lief, hatte ich mich zunächst nicht weiter darum
gekümmert. Mit dem Anruf des vermeintlichen Mr. Bryan sollte sich das aber
schlagartig ändern. Der Helfer in der Not wollte mir zunächst zeigen, wie viele
Fehlermeldungen und Warnungen mein Computer bereits produziert. Dazu ließ er
mich mit kruden englischen Worten diverse Kommandos auf dem PC ausführen. Da es
mir aber offensichtlich nicht gelang, die Probleme zu lösen, wollte er mir ganz
gezielt helfen, indem er sich selber auf meinen Computer einloggt und dann die
Maus dorthin bewegt, wohin er meint, dass es richtig wäre.
Nun hatte ich
dieses Verfahren schon einmal vor Jahren bei meinem Einkommensteuer-programm
kennengelernt, als ich nicht mehr weiter kam und beim Hersteller des Programms
anrief. Der hatte sich dann mit einer nur für eine Sitzung gültigen Code auf
meinem PC angemeldet und das Problem beseitigt. Aber da war ich der
Auftraggeber und wusste, mit wem ich sprach. Hier nun wurde mir die Sache aber
zu heiß und ich brach die Sitzung ab mit dem Hinweis, ich müsste wegen eines
anstehenden Arzttermins aufhören. Offenbar war aber mein Gesprächspartner nicht
zu seinen gewünschten Erkenntnissen gelangt, denn er wurde ganz nervös und
fragte, wann wir unser Gespräch fortsetzen könnten. Ich bot ihm den Vormittag
des nächsten Tages gegen 10 Uhr an. Und tatsächlich: kurz nach 10 Uhr klingelte
das Telefon und Mr. Bryan meldete sich erneut. Dieses Mal aber gab ich ihm
sofort zu verstehen, dass ich auf seine Hilfe verzichte, und legte auf.
Es klingelte danach
noch drei Mal, so dass ich den Hörer neben das Telefon legte. Zwischenzeitlich
hatte ich mich bei Freunden und Leuten vom Fach erkundigt. Natürlich war dies
ein Betrugsversuch, der mir schon hätte glasklar sein müssen, als sich Herr
Bryan als Mitarbeiter von Windows vorstellte. Das ist aber nur das
Betriebssystem der Firma Microsoft, bei der er eigentlich hätte angestellt sein
müssen. Wie dem auch sei, mittlerweile habe ich gehört, dass ich kein
Einzelfall bin. Einer meiner Freunde hatte wenige Tage zuvor einen solchen
Anruf erhalten. Und in einem Regionalteil der Rheinischen Post war von
weiteren Fällen die Rede, die auch der Polizei gemeldet wurden. Allerdings ist allen bis auf den heutigen Tag nicht so
recht klar, was Herr Bryan wie erreichen wollte. Klar ist jedoch eines: Wenn
man die Anrufer nicht kennt, sollte man möglichst sofort wieder auflegen. Und
mein Computer? Bei dem habe ich ein Programm zur Selbstreinigung aufgerufen und
ihm anschließend eine neue Antiviren-software spendiert. Jetzt läuft er wieder
anstandslos.
